Neuer Weltmarktführer entsteht

Familienunternehmen Hymer in die USA verkauft

Die Top-Familienunternehmen in Deutschland verlieren einen prominenten Vertreter. Einer der größten deutschen Hersteller von Wohnwagen und Wohnmobilen wird vom börsennotierten US-amerikanischen Konkurrenten Thor geschluckt.

BAD WALDSEE Eigentlich hatte die Familie Hymer nur einen Minderheitsaktionär gesucht, um die Expansion in die USA zu finanzieren. Jetzt ist daraus der Verkauf der Mehrheit geworden. Der avisierte eigene Börsengang ist vom Tisch. Die Hymers werden stattdessen Shareholder von Thor Industries. Der US-Konzern zahlt für die Übernahme der schwäbischen Hymer Group (EHG) rund 2,1 Milliarden Euro. Davon bekommt die Eigentümerfamilie knapp 200 Millionen Euro in Form von Thor-Aktien. Christian Hymer, Sohn des Firmengru?nders Erwin Hymer und Mitglied des EHG-Aufsichtsrats: „Mit Thor Industries hat unsere Familie den idealen neuen Eigentümer fu?r die Erwin Hymer Group gefunden, mit dem sie ihren langfristig ausgerichteten Wachstums- und Internationalisierungskurs erfolgreich fortzusetzen kann. „Wir schaffen einen weltweiten Marktführer“, kommentierte dazu Thor-Vorstandschef Robert Martin. Der Hymer-Kauf sei eine Gelegenheit, wie man sie nur einmal im Leben bekomme. Zur EHG, die im Ende August abgelaufenen Geschäftsjahr mit 6000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro erreichte, gehören die Reisemobil- und Caravanmarken American Fastbacks, Buccaneer, Bürstner, Carado, Cliffride, Compass, Dethleffs, Elddis, Eriba, Etrusco, Hymer, Niesmann+Bischoff, Laika, LMC, Roadtrek, Sunlight und Xplore, die Reisemobilvermietungen Best Time RV, McRent, und rent easy, der Fahrwerkspezialist Goldschmitt, der Zubehörspezialist Movera, der Zeltcaravan-Hersteller 3DOG camping sowie das Reiseportal freeontour. Zum Thor-Konzern mit Sitz in Elkhart im US-Bundesstaat Indiana gehören unter anderem die Marken Airstream, Heartland RV, Jayco und Livin Lite RV. Der Konzern hat 2017 mit 17800 Mitarbeiter rund 7,25 Milliarden Dollar erwirtschaftet und hat eigene Werke in Michigan, Ohio, Indiana, Idaho und Oregon. Die neuen Eigentümer haben Stellenstreichungen oder die Schließung von Werken ausgeschlossen.